projekte beenden, Draufsicht: eine hellhäutige Person lehnt die ausgestreckten Arme über eine Schreibtischplatte aus dunklem Holz und schiebt einen Schreibblock, eine gefüllte Kaffeetasse, mehrere Stifte, Haftnotizzettel, Büroklammern, einen angebissenen Donut und eine kleine Pflanze im Topf aus der MItte zu den Seiten. UNten in der Mitte stehen in einer Art Sprechblase die Worte Projekte beenden

Für die Bastel-, Bau- und Näh-Affeccionistas (ausgedachtes Wort? – vielleicht….!) unter uns – also die Personen, die an jeder Ecke ein Projekt liegen haben und denen etwa alle 7 Sekunden NOCH was Neues einfällt… – ein Projekt beenden zählt als Aufräumen!

In diesem Artikel:

Projekte umsetzen gilt als Aufräumen! Projekte loslassen und auflösen AUCH.

Wenn Du ein Projekt beendest und dadurch Platz frei wird, dann zählt das auf der „Aufräum“-Liste!

Beenden kann dabei mindestens zwei Bedeutungen haben:
entweder:
Du ziehst es durch – Du baust das Vogelhaus und stellst es auf; Du knüpfst den Makrameekranz und hängst ihn an die Tür; Du nähst das Kleid oder den Ofenhandschuh und ziehst sie einfach an –
oder:
Du entscheidest, dass dieses Projekt seine Daseinsberechtigung im unvollendeten Zustand verloren hat. Das Kind für das zwar zugeschnittene aber ungenähte Babyjäckchen ist mittlerweile 14 Jahre alt…. Das Regal aus dem exakt zugeschnittenen Holz hätte in der vorletzten Wohnung perfekt eine Lücke ausgefüllt, passt jedoch nirgendwo in die aktuelle Behausung… Seidenmalerei wird in diesem Leben einfach nicht mehr stattfinden – und die Hälfte der Farben ist eh schon eingetrocknet…

eine unangenehme Erkenntnis, die zu einem Wendepunkt in Deiner Un/Ordnungs-Historie werden kann…!

Das sind unangenehme Momente, wenn klar wird: das hier ist keine Startrampe für ganz tolle neue Sachen, das hier ist ein Projekt-Friedhof. (Stell Dir das klassische Bild eines Elefantenfriedhofes vor: Schattenrisse von Stiften und Stricknadeln, die hoffnungslos in den Himmel zeigen, ein Haufen Latten, Nägel und Schrauben, die schon komplett ihren Lebenssinn aufgegeben haben, der Wind streicht wehmütig durch die Zettel mit Projektideen, die nie zum Leben erweckt wurden, traurige Musik spielt leise im Hintergrund….🥺😉😄😇)
So kenne ich es von mir. Projekte an vielen Ecken. Und mehr neue Ideen als Umsetzungsfähigkeit….

Also: ein Projekt umsetzen und dann das Ergebnis nutzen = erfolgreiches Aufräumen!
Versteh mich bitte richtig: Geschirr spülen und Wäsche machen sind IMMER auch Aufräum-Anteile. Und die sind nicht verhandelbar.
Aber bei den verhandelbaren Aufräum-Anteilen kannst Du locker auch mal ein Projekt einstreuen. Dafür bleibt der Staub auf einem Schrank dann eben noch ein Bisschen länger liegen. Für MICH ist das durchaus verhandelbar.
Und „das mach ich noch, wenn ich mal Zeit hab“-Projekte liegen nun mal häufig mehr im Weg als der Staub auf dem Schrank.

Ich will nichts grundsätzlich verallgemeinern. Gesundheitliche Bedürfnisse können dazu führen, dass der Staub auf dem Schrank höhere Priorität fürs Wegmachen und Aufräumen bekommt als irgendein Projekt. Aber auch auf Projekten oder Projektkisten bildet sich Staub, der Gesundheit negativ beeinflusst….

wenn das Dopamin verschwindet und die Motivation gleich mitnimmt….

Sich einzugestehen, dass ein Projekt nicht mehr oder zumindest nicht zeitnah umgesetzt werden wird ist für uns Affeccionistas oft richtig schwer. Da ist doch schon Energie und viel Gedankenkraft in die Planung und Vorbereitung geflossen…
Wie das Dopmain durch die Nervenbahnen gerauscht ist, als ich die genau passenden Knöpfe oder das genau passende Garn für mein Nähprojekt gefunden habe!…
Wie ich die Motive für eine ganz wunderbare Reihe an Glückwunschkarten gesammelt und ausgeschnitten habe und vor meinem inneren Auge bereits alles auf perfekt abgestimmtem Tonpapier klebte – was für eine (Vor-)Freude!…
Wie ich hochmotiviert die tollen alten Leitern abgetrennt habe, weil die als Regalseitenteile perfekt sein würden!…

… und wie all diese angefangenen Ideen nicht zu Ende gebracht wurden….

Vielleicht ist das peinlich. Vielleicht schäme ich mich, SCHON WIEDER mittendrin aufgehört zu haben, weil Adrenalin und Dopamin in dem Augenblick aufgebraucht waren, in dem noch irgendwas an Material hätte gekauft werden müssen. Oder irgendwas hat doch nicht gepasst und das hat mich aus dem Stand VÖLLIG demotiviert. (Ja, ich schaue Euch an, ihr blöden Fäden, die ihr aus meinem megaordentlich genähten verstürzten Saum rausguckt und mir die ganz Optik versaut und dann auch noch doppelte Arbeit beschert! – ich müsste die Naht auftrennen oder zumindest nochmal neu nähen – da ist jetzt seit 4 Tagen einfach NIX passiert, weil mein Belohnungszentrum im Gehirn ABSOLUT angepisst ist. Ich hab echt sorgfältig gearbeitet, vorher noch alles ganz ordentlich geschnitten und dann DAS 😡)
Vielleicht hat sich auch mein Zeitplan (falls ich einen hatte…) als unrealistisch für die aktuelle Lebenssituation ergeben.

Für all das können wir uns innerlich oder äußerlich mit dem Handballen an die Stirn schlagen und „dumm!…dumm!…dumm!“ rufen. Außer Schmerzen in Kopf und Hand (und Herz – weil wir gemein zu uns selber sind) bringt das allerdings nicht viel.

Ja, es ist ärgerlich, dass ein Projekt zu lange rumgelegen hat. Es ist schade, dass irgendwas dazwischen gekommen ist. Traurig, dass vielleicht die eigene Unvollkommenheit oder der eigene Perfektionismus (!!!) die Umsetzung verhindert haben.
UND: NICHTS davon wird besser, wenn wir uns selber fertigmachen. Und kein Projekt wird umgesetzter (wenn ich das möchte, kann ich auch ein Verb steigern… 🤪🤗), wenn wir in eine Schleife einsteigen, in der wir unsere Energie auf all das Negative fokussieren.

wenn es um „umsetzen oder auflösen?“ geht, können diese Fragen hilfreich sein…

Darum hier hilfreiche Fragen:

KANN ich das Projekt in unter 5 Stunden/ weniger als 3 Tagen/ einer Woche tatsächlich umsetzen und beenden? – Du brauchst eine echt absehbare Zeitspanne. Du kannst es auch Deadline nennen. Versuch mal eine realistische Einschätzung…

Habe ich die finanziellen, zeitlichen und motivationsmäßigen Ressourcen um es zu TUN? – ich bleib mal bei: Realismus. Was geht WIRKLICH?

Falls die Antwort JA lautet: WILL ich das auch?- ist es Dir eine Herzensangelegnheit? Oder bist Du nur stur und willst Dir selbst oder wem anders was beweisen?

Will ich Zeit, Geld und Energie aufwenden, um das Projekt umzusetzen? – was gewinnst Du durch die Umsetzung dieses Projektes?

Möchte ich das Ergebnis des Projektes nutzen? – und nochmal: Realitätscheck!

Habe ich Platz dafür?(!) – ähm, ja, überprüfe die Realität des Raumes….

Wird es mein Leben erleichtern/ verbessern/schöner machen? – überprüfe die Realität Deiner Gedanken – hattest Du sowas schonmal in einer anderen Farbe und es hat funktioniert? Oder ist es ein Versuch, weil Du Dir WÜNSCHST, es würde für Dich funktionieren und Dein Leben verbessern?

Falls die Antwort auf irgendeine dieser Fragen NEIN (es kann auch ein muffeliges oder kleinlautes Nein sein) lautet: bitte LASS ES! Beende das Projekt, OHNE es umzusetzen!
SEI GNÄDIG MIT DIR SELBST!

Wenn es Dein Leben leichter und angenehmer macht, DAS PROJEKT LOSzuLASSEN, dann ist das nicht nur erlaubt, dann ist das sogar DIE BESTE LÖSUNG!

Du bist Deinem Leben verpflichtet und nicht Deinem Projekt!

Nur weil Du irgendwann mal die Idee hattest und mit der Umsetzung angefangen hast bist Du NICHT verpflichtet, das auch durchzuziehen, komme, was da wolle.
Du bist allerdings verpflichtet, auf Dich und Deine Lieben zu achten und Deinen LebensRaum so zu gestalten, dass er Dir und Euch DIENLICH ist und nicht hinderlich.
Und manchmal gehört dazu, Projekte zu beenden, bevor sie umgesetzt sind.
Stoff, Knöpfe und Nähgarn wieder auseinandersortieren. Bretter, Schrauben und Nägel zurück zu ihren Kumpels stellen.
Papiere und Bastelsachen wieder in die großen Kategorien aufteilen.

Manchmal ist der Mülleimer Dein bester Freund.

Und manchmal – nicht immer aber manchmal – müssen sogar Dinge entsorgt werden. Und das ist okay. Sogar manchmal die bessere Lösung.
Wie viel Gummiband willst Du aufbewahren, obwohl es beim Dehnen schon knistert und seine Elastizität komplett verloren hat?
Wie viele rostige Nägel und Schrauben willst Du lagern, wenn Du noch fabrikneue volle Kisten im Schrank oder in der Schublade hast?
Wie viele Pappordner nimmst Du auseinander, um das Material zu nutzen, während die Packung Tonpapier verschlossen im Regal liegt?

Wie ich auf diese Ideen gekommen bin? 🤔
Rate 🤓!

Du bist nicht die einzige chaotische Person – ich stehe ganz in Deiner Nähe und hadere mit meinen unvollendeten Projekten…

Been there, done that.
Mein Kopf ist voller Ideen. Großartige Ideen- selbstverständlich 😉🤗.
Und ich lerne langsam aber sicher, immer einfacher und immer sicherer die Entscheidung zu treffen, ob ein Projekt draus werden darf. Ich fange also (teilweise) schon mit einer ablehnenden Entscheidung an, BEVOR ich irgendwelches Material zusammensuche! Ich darf einen Plan machen, aufschreiben oder zeichen, was ich mir vorstelle. Aber die Umsetzung kann warten – vielleicht wird es sogar niemals eine Umsetzung geben.

Und ich werde immer und immer besser darin, die vorhandenen (rumliegenden) Projekte zu überprüfen. Auf Aktualität, Umsetzbarkeit, Notwendigkeit und auf die Belastung, die erzeugt wird, wenn ich alles so lasse, wie es gerade ist. Die Belastung ist übrigens vielfältig: das unbeschäftigte Projekt nimmt Platz weg. Es nimmt vielleicht Material in Anspruch, das gerade woanders eine perfekte Lösung bringen könnte. Und das Projekt beansprucht – immer wieder- Aufmerksamkeit und geistige Auseinandersetzung. Ein „Unvollendetes“ kann zur psychischen Belastung werden und spätestens dann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem ich (oder eben Du) nicht mehr abwarten kann sondern etwas tun muss.

… und ich werde immer besser darin, nicht zu hadern sondern zu handeln.

Und wenn ich ein Projekt nicht „verlieren“ will, obwohl ich es nicht umsetzen kann, dann mach ich ein Bild, schreib es mir irgendwo auf und stehe mir selbst voller Mitgefühl bei, wenn ich Einzelteile woanders hinräume oder wegwerfe und mich das traurig oder ärgerlich macht. Egal, ob der Ärger und die Trauer sich auf mich und meine Un/Fähigkeit oder die Welt und die Gesellschaft mit ihrer Beschaffenheit bezieht.

Ein Projekt aufzulösen ist okay. Unter unvollendeten Projekten zu leiden oder andere darunter leiden zu lassen ist NICHT okay.

Ich wünsche Dir gute Entscheidungen, viel Kraft für die Umsetzung und Spaß und Freude mit den Ergebnissen!

Jedes Bisschen freier Raum ist mehr Freiraum für Dein Leben!

Du bist nicht allein und gemeinsam zähmen wir das Chaos!

Alles Beste 🍀
Willu

Wer schreibt hier?

Als natürlich unordentliche und unerkannt neurobunt aufgewachsene Person habe ich lange und intensiv mit der Zuschreibung der unveränderbar chaotisch lebenden Person gehadert. Inzwischen habe ich meinen Weg zu mehr Ordnung und einem selbsbestimmten und freieren Leben gefunden.

Meine Erfahrungen und Tipps gebe ich hier in kurzen und langen, spaßigen und ernsten Blog-Artikeln weiter.

Du lie(g)st hier richtig, wenn Du oder andere Personen in Deinem Leben an Chaos und Un/Ordnung zu verzweifeln drohen und einen Weg zu mehr Überblick und Selbstbestimmung suchen.

Deine Willu ChaosKoryphäe und Un/Ordnungsexpertin

Willu Shurety

Willu Shurety

Teile diesen Blogartikel

Hinterlasse einen Kommentar

  1. Michael 23. Juli 2026 at 09:38- antworten

    Wow, ein super hilfreicher Beitrag.
    Ich ertappe mich auch oft in einem Meer unvollendeter Projekte zu versinken.
    Ja, manchmal hilft nur ein radikaler Schritt – alles Loszulassen – und dem besten Freund „Mülleimer“ zu übergeben 🙂

    Vielen Dank dafür Willu!

    • Willu Shurety 23. Juli 2026 at 10:21- antworten

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, lieber Michael!
      Ich finde es auch befreiend, so ziellose Projekte loszulassen. Das ist für mich oft nicht die einfachste Lösung aber dadurch wird viel frei: die Dinge geben Platz frei und ich kann mich gedanklich auch wieder anderen Ideen zuwenden 🙂

Beiträge, die Dich ebenfalls interessieren könnten: